Petaoloso. Wie einmal ein Neologismus an die Herzen der Italiener rührte.

Petaloso. Mehra sog i net.

Zugegeben. Nach der „Lex Internet“ bin ich mal wieder sauspät dran, mit meinem Bericht über das neugeborene, unschuldige kleine petaloso. Auf italienischsprachigen Portalen fliegen deswegen nämlich schon seit dem 23. Februar 2016 die Fetzen. Der Corriere della Sera begann gestern sogar schon augenzwinkernd über Petaloso Gate zu philosophieren.

Was ist denn da schon wieder los? Och nichts, eigentlich. Der Drittklässler Matteo aus der Provinz Ferrara hatte einfach mit einer entzückenden Wortneuschöpfung das Internet aufgemischt und damit die Drolligen unter den facebook-Bewohnern zu den lustigsten und fiesesten Wortneuschöpfungen inspiriert.

So bildet man petaloso

Matteo hatte petaloso in einem Schulaufsatz über Adjektive quasi erfunden. Denn das Wort gibt es im Italienischen offiziell nicht. Jedoch erschließt sich seine Semantik jedem Sprachliebhaber sofort in voller Pracht. Eher wundert man sich eigentlich, warum es vorher nicht existiert hatte und warum nicht schon viel früher jemand diese Lücke geschlossen hat.

Der kleine Neologazzo (Neologismus + ragazzo, hehehe, kann ich auch), hatte das Substantiv petalo [ˈpɛ:talo], also Blütenblatt, einfach in ein Adjektiv verwandelt, indem er die Endung –oso [o:so] anhängte. –oso verwendet man im Italienischen bei Adjektiven, die eine beschreibende, häufig besonders positive Charaktereigenschaft haben, also etwa favoloso (fabelhaft), amoroso (liebevoll), coraggioso (mutig) oder famoso (berühmt). In petaloso bringt die Endung die ohnehin schon schöne Idee vom Blütenblatt also vollends zum Erblühen (wenn man mir diese kleine Metapher erlaubt). Ein rundum wunderschönes, herzerwärmendes Wörtchen also: „Blütenblättrig“!

Auch die Accademia della Crusca fand petaloso wunderbar

„Schön“, „klar“ und „perfekt gebildet“ ist das Wort auch nach dem Bescheid der Accademia della Crusca. Matteo hatte – motiviert durch seine Lehrerin – eine Anfrage in schönster Schönschrift bei der altehrwürdigen Sprachgesellschaft eingereicht, um prüfen zu lassen, ob petaloso nicht etwa Eingang in die italienische Sprache finden könne.

Die Accademia della Crusca ist dem Italiener in etwa das, was dem Deutschen sein Duden ist. Diese älteste Sprachgesellschaft der Welt residiert seit 1583 in Florenz. Ihre Aufgaben sind „Studium und Bewahren der italienischen Sprache“. Ha, und sie hat Matteo überraschend geantwortet: Wenn Matteos Wort „von vielen verwendet und von allen verstanden“ werde, dann stünde dem offiziellen Eingang in den Sprachgebrauch nichts mehr im Weg.

Jetzt dreht das Netz natürlich endgültig durch

Das Schreiben der Accademia an Matteo fand auf Twitter und facebook selbstredend sofort Verbreitung. Unter dem Hashtag #petaloso findet man auf facebook seit Tagen tausende von Postings. Die meisten zeigen sich spontanverliebt und wollen dem süßen kleinen Neologismus mittels Teilen und Drüberreden zum Eingang in die italienische Sprache verhelfen.

Nach der ersten Kaskade der Begeisterung fanden sich aber klassischerweise  auch rasch die krauskreativen Schlitzohren ein, die nun eigene Wortschöfpungen an die Accademia della Crusca einzureichen gedenken. Meine diesbezüglichen Favoriten liste ich noch schnell auf, bevor Schluss ist mit dem albernen Schwätzen und Kichern. Das gilt übrigens vor allem für Matteo und seine Klasse. Denn die sind jetzt erstmal in Florenz eingeladen. Bei der Accademia della Crusca. Basta, silenzio!

 

Die bad hood von „petaloso“

bestemmioso : übelst verfluchbar

maiungioioso : nie-mit-freude-erfüllbar

grammarnazistoso : durch-grammatiknazifiziert

pisellabile : vögelbar

instantlikabile : sofort-mögbar

ciaonevole :  mit „ciao!!!“ dauer-anschreibar (zur Strafe für lautes Handy-Telefonieren)

legginabile : leggings-fähig

serietvizzato : fernsehserien-sozialisiert

 

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