DIE, DIE, DIE Klientel! Nicht DAS. Obwohl es so niedlich und pelzig klingt.

Spätestens seit der (relativ) gehaltvollen Profess-X-Debatte wissen wir doch, dass wir niemandes Geschlecht verwechseln sollen! Geschlechtverwechseln fühlt sich einfach nicht richtig an. Einen kleinen Vorgeschmack bekommt man, wenn man zum Beispiel ein Werbeanschreiben mit der falschen Anrede – „Herr“ statt „Frau“ oder andersherum – zugestellt bekommt.

Aus Gründen ebendieser sprachpolitischen Detailkorrektheit mag ich Menschen, die nicht „das“, sondern „die Klientel“ sagen. „Klientel“ ist halt eben kein schnuffeliges Neutrum zum Liebhaben, sondern ein ruhmreiches Femininum mit jahrtausendealter Historie. Und offensichtlich muss das in unserer Spaß- und Wellness-Gesellschaft ab und zu mal wieder deutlicher hervorgehoben werden.

Wie es kommt, dass sich die Mehrheit der Deutschsprachigen dem richtigen Genus der „Klientel“ mit vereinten Kräften entgegenstemmt, habe ich lange Zeit nicht verstanden. Schließlich werden insbesondere uns Deutschen gerne (nicht ohne eine gewisse Häme) präzise Uhrmacher-Charaktereigenschaften, Sturheit und nicht enden wollende Rechthaberei im fitzeligsten Detail nachgesagt.

Inzwischen habe ich aber mehr begriffen: So viele putzige Dinge in unserer Sprache führen einen neutralen Artikel. Man denke etwa an das Kätzchen, das Lamababy, das Deichkind oder an das Polka-Dot-Röckchen. Kamel, Klientel … es dürfte einem pur empathischen Reflex geschuldet sein, auch die Klientel verkleinern zu wollen. Das Klientel rührt in unserer kalten Welt ans Herz, es adressiert unsere Mutter- und Beschützerinstinkte. Wenn ich ein Meerschweinchen oder noch besser: ein Baby-Chinchilla! hätte, würde ich es ja vermutlich auch, ohne auch nur eine winzige Minute zu zögern, „Klientel“ taufen. DAS Klientel!

Aus diesem Grund verstehe ich ja, warum die Deutschen den Begriff heimlich unter ihre Fittiche zu nehmen versuchen. „Merkt doch keiner, wenn ich schnell mal den falschen Artikel verwende, tut doch niemandem weh. Und dem goldigen kleinen Klientel geht’s bestimmt besser so!“ Leider übersieht man mit einem solchen Verhalten, dass man damit „der“ Klientel großes Unrecht tut. Man enthält ihr schlichtweg die Würde des richtigen Geschlechts vor. Und alleine das ist Grund genug, den richtigen Artikel ab sofort wieder regelmäßig zu verwenden. Zur allgemeinen Ernüchterung habe ich im Folgenden die Begriffsklärung zusammengefasst.

Merke:

Wenn es das Klientel gäbe, hätte es ein kuscheliges Samtfell und wäre ein niedlicher, leicht domestizierbarer Nager mit herzig glänzenden Knopfaugen. In freier Wildbahn würde es als Vegetarier leben, es würde aber bei guter Pflege im Haus des Menschen sogar als Veganer ein vergleichsweise hohes Lebensalter erreichen. Es wäre ledig, kinderfreundlich, stubenrein, pflegeleicht, tagaktiv und würde im Durchschnitt ein Alter von etwa 3,5 Jahren erreichen. Es würde sich in Familien besonders wohlfühlen und die Nähe des Menschen aktiv suchen.

Die Klientel dagegen ist eine altehrwürdige Dame und wurde im antiken Rom geboren. Als ganz junges Mädchen hieß sie „clientela“ (sic!) und war bereits trotz ihres jungen Alters verantwortlich für die „Anhängerschaft“1, die „Gesamtheit aller Schützlinge, andererseits das zwischen einem Klienten und seinem Patron bestehende Verhältnis, der für seine Klienten ein[trat] und im Gegenzug deren Treue (fides) verlangt[e].“1 Heute, etliche hundert Jahre später, ist die Klientel überall auf der Welt zu einer soliden Reputation gelangt. In Deutschland trifft man sie gerne im Schlepptau von Notaren, Rechtsanwälten, Steuerberatern und … tja äh … Wirtschaftsprüfern.

Fazit: Auch wenn es unsere Welt wieder ein bisschen kälter macht, es gibt ein Leben ohne das Klientel! Und so machen Sie’s richtig:

 

Nominativ:

Genitiv:

Dativ:

Akkusativ:

 SINGULAR

die Klientel

der Klientel

der Klientel

die Klientel

PLURAL

die Klientelen

den Klientelen

den Klientelen

die Klientelen

1 Wikipedia-Artikel

 

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(Photocredits: Attribution 2.0 Generic (CC BY 2.0), thank you Michelle Tribe!)

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