Blogg’insieme. „Texterin“ heißt auf Italienisch nämlich auch nur „copywriter“.

 

Il nos|tro in|con|tro [iŋˈkontro]. Ich hab‘ einfach bei ihr angerufen. Weil es mich eh schon lange interessiert hatte, wie italienische Texterinnen so sind und was sie den lieben langen Tag so anstellen.

Genauso plötzlich, wie dieser Blogartikel beginnt, hatte meine Begegnung mit Alessandra Pistillo stattgefunden. Einmal „copywriter Firenze“ googeln (ja echt jetzt, auf Italienisch gibt’s kein eigenes Wort für „Texter“!), kurze E-Mail, hurtiges Telefonat, ganz große Sympathie: im September trafen wir uns in Florenz an der Porta Romana. Um meine Vitaminspeicher endlich mal wieder mit ausreichend bellezza und Herzlichkeit aufzufüllen, bin ich diesen Sommer nämlich für ein sattes Weilchen nach Italien übersiedelt, um die schönste Sprache der Welt zu lernen. Wieder zu Hause hege ich die leise Befürchtung, dass ich mich in meinem ganzen Leben nie wieder wohler fühlen werde, als immer nur einen Feltrinelli weit weg von italienischen Bücherstapeln zum Aktionspreis. Und immer nur ein einziges Wörtchen weit weg von kommunikationsfreudigen Menschen, von Pizza, Pasta und duftendem Chianti.

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Tja, und so kam es eben auch, dass Alessandra und ich eine Menge zu schnattern hatten. Überraschung – sie spricht Deutsch! Wir beide teilen die gleiche Passion für Sprachen und für unseren Beruf. Und deshalb haben wir bei einer unbekannten Menge Espresso und Mineralwasser beschlossen, uns an einem gemeinsamen winzigen Stereotypen-Wörterbuch Signorina Copywriter : Fräulein Texterin auszutoben. Alessandra schreibt die italienischen, ich die deutschen Definitionen. And here you go:

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der Kaff|ee [ˈkafe, kaˈfe:] No, non ci siamo. Dopo pranzo ci vuole l’espresso, non il cappuccino. Cominciamo bene. Questa mia affermazione, fatta a bruciapelo così a inizio incontro, deve averla turbata molto perché Fräulein Texterin non ci ha nemmeno provato a calarsi nello stereotipo del creativo italiano vampiro di caffè: si è scolata 2 litri d’acqua mentre io meditavo davanti al mio caffè americano (il mio nome è “coerenza”).

il caffè [kafˈfɛ] Alarm, Alarm! Wer in Italien nachmittags um vier einen latte macchiato bestellt, ist doof. Muss man wissen, aber ich wusste es Gott sei Dank schon. Obwohl mir ehrlich gesagt noch immer nicht vollkommen klar ist, warum man doof ist, wenn man nachmittags um vier in Italien einen latte macchiato bestellt. Egal, vorsichtshalber lieber weltmännisch täuschen und tarnen … und ein korrektes acqua liscio bestellen. Was bleibt einem anderes übrig, wenn man deutsch ist?

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die Kun|den [ˈkʊndəŋ] Dal confronto con Fräulein Texterin emerge un cliente “tipo” piuttosto ricorrente nella vita del copywriter italiano come in quella del Texter tedesco. A proposito, possiamo sottolineare che la lingua tedesca ha fatto sua la parola che descrive questo mestiere, mentre alla lingua italiana piace fa’ l’ammerigana? Grazie. Dicevamo: questo cliente non ha tempo per scriversi da solo i testi, oppure, anche se pensa di farlo, si rende conto di aver bisogno di una spalla per raggiungere il livello qualitativo desiderato; spesso sa cosa vuole per la sua azienda ma non sa come ottenerlo: per questo è molto felice quando trova un copywriter capace di ascoltare prima ancora di scrivere; una persona che sappia ascoltare in special modo lui, le sue esigenze e le sue manie, e che con queste informazioni sforni testi che sappiano renderlo sufficientemente sereno, quel tanto da togliergli il pensiero.

i cli|ent|i [kliˈɛnti] Der italienische Texter-Kunde scheint – dem Gespräch mit der verehrten Signorina Copywriter zufolge – dem deutschen sehr zu ähneln: Er ist hochprofessionell, liebt sein Geschäft, bedauert furchtbar, dass er selbst keine Zeit zum Schreiben hat, steht auf Textqualität und freut sich mächtig, wenn er ein smartes Köpfchen findet, das a) versteht und b) so schreibt, wie er denkt.

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im Home|office ar|bei|ten [ˈhoumˈɒfɪs] Comodo per certi versi, la libertà piace molto. Ma pensandoci bene non è male condividere una postazione lavorativa con i colleghi. La pausa caffè in compagnia è sempre gradita (vedi sopra) e quando non c’è il distributore c’è sempre il mitico bar di Porta Romana, dove i volti che incontri non sono sempre i soliti noti, ma anche inaspettatamente internazionali.

la|vo|ra|re  a  ca|sa [lavoˈra:re][ˈka:za] Das Internet entlässt uns Digital Creatives gnädig aus der Orts- und Zeitgebundenheit. Wir arbeiten meistens wo und wann wir wollen. Selbstverständlich ist das auch in Italien in so mancherlei Hinsicht eine starke Sache: Man spart sich jede Menge motorino-Trouble auf der Straße und trinkt stattdessen lieber noch einen zweiten, dritten oder vierten espresso (äh cappuccino, äh … ach macht doch, was Ihr wollt). Infolgedessen ärgert man sich weniger und bleibt länger so knuffig und faltenfrei wie Signorina Copywriter. Auch schön: Im Bad kann Signorina Copywriter ruhig mal fünf Minuten drauflegen. Mit dem Tablet auf der Waschmaschine stört das keinen, tranquilla! Und wenn man doch mal Sehnsucht nach einer Kollegin hat, googelt man sich halt eine sympathische und trifft sie zum Beispiel an der Porta Romana.

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… was wird sein, wenn signorina copywriter mal älter ist? [ˈaltɐ] [ˈtekstəʳ] Mah. Entrambe ci siamo chieste come camperemo, e se ancora riusciremo a vivere delle nostre parole. Se la nostra creatività sarà ancora florida e motivata o se invece ci annoieremo o magari verremo soppiantate da menti più giovani, meno esperte ma più entusiaste, che cavalcheranno il mercato meglio di noi. E allora ci attaccheremo alla nostra saggezza e alla nostra acidità per continuare a lavorare.

che sarà, che saràààà … che sarà di noi tra 40 anni? [ˈvɛkkie] Jaja, auch Frollein Texterin und Signorina Copywriter sind gespannt, was ihnen – beruflich gesehen – das „Alter“ bescheren wird. Denn wie im Rest der digitalen Welt scheint scheint auch der Kreative Italiener kaum älter zu sein als 35. Fragen wir uns: Wo werden eigentlich all die älteren Schreibsemester zwischen- bzw. endgelagert? Und was passiert mit uns, wenn wir das MHD überschritten haben? Bis jetzt ist der Arbeitsmarkt noch nicht gerade überlaufen von Kreativen kurz vor dem Rentenalter … *schluck*

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so|cial sein [ˈsəʊʃəl] [zain] Pare che Fräulein Texterin si faccia un po’ di problemi a stare su Facebook, considerata una piazza dove dilaga l’ignoranza. Anche se entrambe pensiamo che sia uno strumento comodo per tenere i contatti, funzionale alla costruzione dell’immagine, pratico per la partecipazione alle conversazioni, Facebook in realtà ci attrae fino a un certo punto: lei si arrabbia quando legge certe stupidaggini, io sono annoiata dalla deriva narcisistica che da sempre lo contraddistingue: un conto è lo storytelling, un altro è il me-la-racconto-e-quindi-ve-la-racconto-stralciandovi-le-palle-in-continuazione-su-quanto-la-mia-vita-sia-meravigliosa telling. Il confine è sottile e a volte ci caschiamo tutti – dopotutto il narscisismo è un bisogno psicologico profondo che investe le masse contemporanee – ma quando hai capito il meccanismo del giochino, si rivela una palla mortale. E allora ci entro se mi va, mostro quello che mi pare, se mi pare. Chi non conosce il giochino crederà a tutto ciò che mostro di me come se io fossi solo quello. Chi lo conosce leggerà ciò che pubblico come una narrazione, consapevole che la (mia) vita vera si trova altrove.

Face|book: gossip e noia [feɪsˈbuk] [ˈgɑ:səp] [ˈnɔ:ia] „Facebook sucks, WhatsApp ist cool“ äußert auch die italienischsprachige Netzjüngerin. Insgesamt macht sich Signorina Copywriter allerdings weniger Kopfzerbrechen als das Fräulein Texterin. Alessandra bleibt auf facebook, auch wenn der Irrsinn dort täglich munter weiterbrodelt. Sie echauffiert sich allerdings nicht wenig über die wachsende Zahl von Narzissten und über das ich-red-mir-selber-und-natürlich-auch-den-anderen-ein-dass-mein-Leben-gähn-so-supertoll-ist-Blabla.

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Unser Artikel endet selbstverständlich so bass, wie er begonnen hat. Muss. Danke Signorina Copywriter, wir bleiben in Kontakt, beruflich wie persönlich!

 

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